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DxO Pure RAW 4

2025 © Thomas Gade



DxO PureRAW 4 ist ein spezieller RAW Konverter für einen zweistufigen Arbeitsprozess. Er hat einen geringeren Funktionsumfang als Adobe Lightroom oder DxO PhotoLab. Um den Sinn von PureRAW zu verstehen, betrachten wir zuerst, was er kann.

RGB aus Bayer-Matrix / Debayer


Bayer-Matrix: Farbraster vor den Pixeln eines Sensor.

Sensoren von digitalen Kameras messen, wie viel Licht im Augenblick einer Aufnahme eintrifft. Ihre Pixel sind individuelle Belichtungsmesser. Sie registrieren sie Photonen und können dabei nicht zwischen Farben unterscheiden.

Um farbige Bilder zu ermöglichen, wird vor den Messzahlen ein Raster aus Farbfiltern angebracht. In gleichmäßiger Verteilung, ähnlich wie bei einem Schachbrett, lassen 50 % der Filter grünes Licht durch und jeweils 25 % rot oder blau. Bei einem 24 Megapixel Sensor wird somit während der Aufnahme von zwölf Megapixeln ein Bild aus grünem Licht registriert, mit sechs Megapixeln ein Bild aus rotem Licht und mit sechs Pixeln ein Bild aus blauem Licht. Jedes Pixel misst von den benötigten Rot-, Grün- und Blauwerten (RGB) auf diese Weise in Wirklichkeit nur einen Wert. Die anderen beiden werden aus den Informationen aus den umliegenden Messzahlen interpoliert.

Die vielen winzigen Farbfilter sind üblicherweise in einer sogenannten Bayer-Matrix angeordnet. Beim Verarbeiten von Rohdateien werden die RGB-Werte für alle Pixel interpoliert, dieser Vorgang heißt in der englischen Sprache ‚debayer‘. Konverter für Rohdateien verwenden dazu ähnliche Verfahren, die konkret für bestimmte Sensortypen jedoch auf individuellen Algorithmen beruhen können. Dabei geht es um die Optimierung der Interpolation der RGB-Werte aus den umliegenden Messwerten. DxO Labs untersucht die Rohdateien verschiedener Sensoren genau, um beim Debayern beste Einstellungen zu ermitteln, die eine optimale Detailauflösung und Farbtreue ermöglichen.

Abbildungsfehler korrigieren




Beim Produzieren von Objektiven gibt es einige Herausforderungen, die nur durch Systeme aus mehreren Linsen aus mehreren Glassorten und mit unterschiedlichen Krümmungen der Oberflächen gemeistert werden können. Augen haben Linsen, die Bilder auf eine Netzhaut werfen. Augen sind kugelig, d. h. die Netzhaut ist gekrümmt wie eine Schale. Einzelne Sammellinsen erzeugen ein gekrümmtes Bild.

Beim Fotografieren möchten wir aber Bilder auf ein flaches Medium, sei es ein Sensor oder ein Film, projizieren. Das Linsensystem muss dafür die Krümmung aus dem Bild beseitigen. Außerdem unterscheiden sich die Brennweiten für unterschiedliche Lichtwellen. Bei einer einfachen Linse befindet sich die scharfe Abbildung für einen Gegenstand für die Farbe Rot in einem anderen Abstand hinter ihr als für die Farbe Blau. Durch das Kombinieren von Linsen aus mehreren Glassorten, die jeweils unterschiedliche Brechungsindexe haben, vermögen es die Optiker, die Brennweiten für Lichtwellen im sichtbaren Bereich zu vereinheitlichen. Nur so ist es möglich, Farbsäume an Kanten zu vermeiden oder wenigstens auf einen akzeptablen Rest zu reduzieren.



Durch das Ebnen des gekrümmten Bildes ist es in der Mitte heller als in den Ecken. Diese sogenannte Vignettierung wird außerdem vom Bildkreis beeinflusst. Objektive erzeugen nämlich kreisrunde Bilder, die in der Mitte scharf sind und am Rand normalerweise unscharf. Vom Bildkreis ist nur der scharfe Bereich fotografisch nutzbar. Seine Größe und die Bildqualität insbesondere in den Ecken und an den Rändern ist von der eingestellten Blende abhängig. Bei voller Öffnung ist die Abbildung in den Ecken dunkler und unschärfer als in der Bildmitte.

Einige Abbildungsfehler sind durch Messungen genau bestimmbar und können digital korrigiert werden. Das wird seit ca. 20 Jahren beim Entwickeln neuer Objektive genutzt. Ohne diese Technik wäre die mittlerweile hohe Bildqualität aus Smartphones, Actioncams und winzigen Kameras von Drohnen gar nicht möglich. Ebenso wenig könnte man das hohe Auflösungsvermögen moderner Sensoren von Systemkameras ohne diese Technik ausschöpfen. Durch die digitale Abbildungskorrektur werden Farbsäume verringert, die Vignettierung kompensiert und die Bildschärfe erhöht. DxO Labs hat sich unter anderem auf die genaue Vermessung von Objektiven spezialisiert, um genaue Fehlerprofile zu erstellen, die automatische digitale Korrekturen ermöglichen.

Rauschen verringern

Sensoren haben eine bestimmte Lichtempfindlichkeit, die häufig bei ca. ISO 200 liegt. Durch das Einstellen höherer Werte an der Kamera ändert sich die Lichtempfindlichkeit gar nicht, sondern beeinflusst die Signalverstärkung beim Auswerten der Messergebnisse. Je höher der ISO-Wert eingestellt wird, desto stärker schleichen sich durch die Signalverstärkung Fehler ein, die irgendwann als sichtbare Minderung der Bildqualität erkennbar sind. Unter anderem gehört dazu das sogenannte Rauschen, in dem feine Details untergehen. Im Wettbewerb der Softwareanbieter ist die Fähigkeit zum Verringern des Rauschens bei gleichzeitigem Erhalt von feinen Details ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

Angst vor hohen ISO-Werten ist inzwischen unbegründet. Dazu hat DxO Labs viel beigetragen. Seit der Einführung von Deep Prime in PhotoLab 4 (2020) sind mit mittleren und vor allem höheren ISO-Werten Ergebnisse zu erzielen, die vorher undenkbar erschienen. Die Konkurrenz hat nicht geschlafen, Topaz und Adobe belegen ebenfalls Spitzenplätze in dem Wettkampf, aber DxO ist auf diesem Gebiet richtig gut.



PureRAW 4 bietet endlich die nötigen Einstellmöglichkeiten für das Verringern des Rauschens und für Korrekturen von Abbildungsfehlern.

DxO PureRAW

Das Verringern der Vignettierung, Farbsäume und des Rauschens, das Erhöhen der Bildschärfe und Debayern sind fünf Aufgaben, die DxO beim Verarbeiten von Rohdateien sehr gut beherrscht. Allerdings möchte nicht jeder mit dem Rohkonverter DxO PhotoLab arbeiten, sondern zieht eventuell Adobe Lightroom oder ACDSee PhotoStudio vor. Dafür kann es historische Gründe geben, etwa weil man ein Abonnement für eine Kombination aus Photoshop und Lightroom von Adobe hat und gewohnt ist, damit zu arbeiten.

Deshalb kam DxO Lab vor einigen Jahren auf die Idee, mit der Software DxO PureRAW einen abgespeckten Rohkonverter zu veröffentlichen, der nur die oben genannten fünf Aufgaben automatisch erledigt und anschließend DNG Dateien erzeugt, die mit anderen Rohkonvertern weiter verarbeitet werden können.

Bis zur Version 3 konnte ich damit nichts anfangen, weil die Bearbeitung nicht genügend zu beeinflussen war. Zum Beispiel möchte ich stufenlos einstellen können, wie stark die Rauschreduzierung arbeitet. Seit Version 4 (aus 2024) sind die nötigen Einstell-Optionen zur individuellen Konfiguration im ausreichenen Maße vorhanden. Dadurch ist DxO PureRAW zu einem interessanten Werkzeug geworden.



PureRAW: "Entwickeln abgeschlossen!"

Vorarbeit

DxO PureRAW 4 nutze ich derzeit auf einem Dell Precision 7520 Laptop mit einer Intel Core i7 CPU der siebten Generation, 32 GB RAM und einer NVIDIA P4000 Grafikkarte. Das Gerät ist in Ordnung und gehörte in seiner Zeit zu den leistungsstarken Modellen, aberdas liegt schon einige Jahre zurück. Für DxO PhotoLab und eine größere Menge Bilder ist er mit nicht flott genug.

Es ist einfach, DxO PureRAW mit den bevorzugten Einstellungen zu starten und dem älteren Laptop die nötige Zeit zu lassen, alle Dateien der Speicherkarte entsprechend zu bearbeiten und die Ergebnisse als DNG-Dateien im Zielverzeichnis zu speichern. Die wichtigen Vorarbeiten können in Zeiten erledigt werden, die man gar nicht am Computer verbringt.

ACDSee PhotoStudio

Ich mag den Rohkonverter von ACDSee wegen seiner unkomplizierten Möglichkeiten zum Drehen, Beschneiden von Bildern und zum Korrigieren stürzender Linien, aber in punkto Objektivkorrektur und Rauschminderung liegt das Programm weit hinter DxO. Wenn DxO PureRAW solche Aufgaben jedoch vorab erledigt, fällt einerseits die Wahl leichter, welche Bilder man löscht oder behält, und andererseits kann die weitere RAW-Verabeitung bequem mit ACDSee erfolgen. Eine ältere und noch schlanke Version reicht völlig aus.

Praxis

Wenn nur PureRAW am Computer aktiv ist und der Vorgang länger dauert, muss der Energiesparplan angepasst werden, damit der Computer nicht in einen Ruhezustand verfällt. Bei meinem Laptop stelle ich ein, dass der Bildschirm bei Betrieb am Netz erst nach einer Stunde ausgeschaltet wird und auch erst dann der Energiesparmodus aktiv wird..

Dateinamen

PureRAW erkennt aus den EXIF-Daten das Aufnamedatum eines Fotos und schreibt es vor den ursprünglichen Namen der Rohdatei. Beispiel: Aus pdt0456.orf wird dann 20250305-pdt0456.dng. Das ist sehr gut, man muss aber aufpassen, dass das Datum richtig in der Kamera eingestellt ist.

Dateiformat

PureRAW erzeugt DNG Dateien. Optional sollte TIF angeboten werden, weil alle nachrangigen Bearbeitungsschritte kein Rohformat mehr benötigen.

Zielverzeichnis

PureRAW speichert seiner Ergebnisse immer dort, wo auch die ursprünglichen Rohdateien sind.

TotalCommander



Nutzen Sie ein Programm wie den Total Commander, um die DNG-Dateien anschließend zu verschieben und umzubenennen oder die ursprünglichen Rohdateien zu löschen!

ACDSee PhotoStudio




Die weitere RAW-Bearbietung kann mit ACDSee PhotoStudio erfolgen. Dessen IPTC Editor bettet Einträge fest in die DNG Dateien ein, ohne eine zusätzlich Sidecar-Datei zu erstellen.

Kritik

Grundsätzlich richte ich meine Computer immer mit einem Admin- und Benutzerkonto ein. Leider akzeptiert DxO PureRAW die als Admin vorgenommene Registrierung/Aktivierung von PureRAW nicht im Benutzerkonto.

Die allermeisten so eingerichteten Computer werden nur von einer Person genutzt. Deshalb sollte die Lizenz für alle Benutzerkonten auf dem Computer gelten. Man sollte wenigstens beim Installieren die Option haben, dies so festzulegen.

Erfolgte die Aktivierung im Adminkonto, öffnet sich bei der Anmeldung als Benutzer gleich ein Fenster von DxO PureRAW mit der Aufforderung zur Aktivierung, obwohl man das Programm gar gestartet hat. Dies sollte DxO Labs ändern.

Preis

Im März 2025 kostet PureRAW 120 € oder 80 € als Upgrade.

Bewertung

Ob PureRAW sinnvoll ist, hängt vom individuellen Arbeitsablauf ab. Die Software bietet nur die hervorragende Rauschminderung und Korrektur optischer Abbildungsfehler, wie der viel umfangreichere RAW-Konverter DxO PhotoLab. Individuelle Tonwertkorrekturen und weiteres muss deshalb mit zusätzlicher Software. Im Kern generiert PureRAW neue Rohdateien im DNG-Format. Idealerweise sollten Digitalkameras das selber können.

Die hohe Qualität der Rauschminderung, wie sie PureRAW bietet, lässt sich jedoch wohl nicht in der kurzen Zeitspanne direkt in der Kamera erreichen bis sie wieder schussbereit sein muss. Am externen Computer darf das länger dauern. Zudem fehlen den Kameras oft die Fehlerprofile von Fremdobjektiven, wodurch automatische Korrekturen nicht in gleichem Umfang möglich sind. Aber ist das heute noch zeitgemäß? Es wirkt seltsam, dass moderne Systemkameras wie seit ca. 2000 weiterhin herkömmliche RAW-Dateien liefern, anstatt wenigstens die RGB-Werte für alle Pixel aus der Bayer-Matrix zu interpolieren und die Dateien optimal zu entrauschen. Als Ausgabeformat wäre ein TIF mit 16 Bit pro Kanal eine sinnvolle Option.

Solange Kameras jedoch weiterhin JPGs oder RAW-Dateien im bisherigen Format erstellen, bleibt PureRAW ein exzellentes Werkzeug, um quasi neue Rohdateien im DNG-Format zu erzeugen, bei denen wichtige Bearbeitungsschritte bereits mit höchster Effizienz durchgeführt wurden.

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